Praxisbeispiele aus Schleswig-Holstein

Hier finden Sie einige Beispiele dafür, wie Kommunen in Schleswig-Holstein verschiedene Klimaschutz- und Energiewendemaßnahmen umgesetzt haben. Die dargestellten Projekte dienen der Information und könnten Anstoß für eigene Überlegungen in Ihrer Kommune geben.


Maßnahmen zum Thema Klimaanpassung

Ebertpassage Pinneberg – Vom Parkplatz zum klimaangepassten Stadtraum

Im Rahmen der Umgestaltung der Ebertpassage in der Pinneberger Innenstadt wird ein zentral gelegener öffentlicher Platz gegenüber dem Rathaus neu gedacht. Ziel ist es, eine bislang überwiegend als Parkplatz genutzte, stark versiegelte Fläche in einen klimaangepassten, lebendigen öffentlichen Raum umzuwandeln. Die blau-grüne Neugestaltung – also die gezielte Kombination von Begrünung und nachhaltigem Regenwassermanagement – verbindet Klimaanpassung mit einer deutlichen Aufwertung der Aufenthaltsqualität.

Der Baubeginn erfolgte im Frühjahr 2025, die Fertigstellung ist für Herbst 2026 vorgesehen. Erste Teilbereiche wurden im Frühjahr 2026 fertiggestellt und geben einen ersten Eindruck der künftigen Gestaltung.

Im Mittelpunkt stehen folgende Maßnahmen:

  • Entsiegelung und Begrünung: Rückbau von Asphalt- und Pflasterflächen zur Wiederherstellung natürlicher Bodenfunktionen sowie Anpflanzung klimaresilienter Bäume und Schaffung großzügiger Baum- und Staudeninseln mit vielfältiger Bepflanzung
  • Regenwassermanagement: Umsetzung des Schwammstadt-Prinzips durch Versickerungsflächen, gezielte Ableitung von Regenwasser in Grünbereiche und in Rigolen als unterirdische Speicher zur Unterstützung der Bewässerung
  • Aufwertung des Stadtraums: Stärkere Ausrichtung auf den Fuß- und Radverkehr bei gleichzeitiger Reduzierung des motorisierten Verkehrs sowie Integration barrierearmer, beschatteter Sitzmöglichkeiten in die Grünflächen

Die Umgestaltung schafft vielfältige Synergien: Sie verbessert das Mikroklima und das lokale Wassermanagement, stärkt die Biodiversität und erhöht gleichzeitig die Aufenthaltsqualität und damit die Attraktivität des Standorts für das lokale Gewerbe.

Die Kosten werden im Rahmen der Städtebauförderung des Landes Schleswig-Holstein finanziert und belaufen sich auf rund 3,4 Millionen Euro. Weitere Informationen sind auf der Website der Stadt Pinneberg unter Ebertpassage - Stadt Pinneberg verfügbar.

Neugestaltung des Lütten Markts in Lauenburg/Elbe

Mit der Neugestaltung des Lütten Markts hat die Stadt Lauenburg/Elbe einen zentralen Innenstadtbereich zu einem klimaangepassten Aufenthalts- und Begegnungsort umgestaltet. Das Projekt ist Teil der städtebaulichen Entwicklung im Sanierungsgebiet „Ortskern Oberstadt“ und wurde im November 2025 abgeschlossen.

Aus einem vollständig versiegelten Parkplatz mit temporärer Marktnutzung entstand ein multifunktionaler Platz mit mehr Grünflächen, zusätzlichen Aufenthaltsbereichen und neuen Nutzungsmöglichkeiten: Die Fläche für den Wochenmarkt bleibt weiterhin erhalten, ergänzt durch einen Lesegarten, Veranstaltungsflächen und gemeinschaftlich nutzbare Gartenbereiche rund um die Stadtbibliothek.

Klimaanpassungsmaßnahmen im Überblick:

  • Entsiegelung von Flächen
  • Zusätzliche Beschattung und Begrünung in Form von trockenheitsresistenten Klimabäumen und Staudenbeeten
  • Maßnahmen zur Regenwasserbewirtschaftung und Abkühlung: Das Niederschlagswasser wird nach dem Schwammstadt-Prinzip in Baumrigolen mit Speichervolumen geleitet. Ergänzend sorgen ein bodenbündiger Fontänenbrunnen und ein Trinkbrunnen an heißen Tagen für Abkühlung

Der rückwärtige Gartenbereich der Stadtbibliothek wurde als ruhiger Aufenthaltsort gestaltet. Neben Staudenbeeten, Blütenbäumen und Hochbeeten entstanden eine Pergola mit Kletterrosen, Sitzmöglichkeiten und flexible Flächen für Lesungen und gemeinschaftliche Aktivitäten.

Die Neugestaltung verbindet Klimaanpassungsmaßnahmen mit sozialer Nutzung und sorgt für mehr Aufenthaltsqualität. Durch umfangreiche Beteiligungsformate wurden die Bedürfnisse und Wünsche verschiedener Zielgruppen bereits seit 2016 in die Planung einbezogen. Die Finanzierung erfolgte im Rahmen der Städtebauförderung sowie weiterer Förderprojekte. Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite der Stadt Lauenburg unter Lauenburger Lesegärten auf dem Lütten Markt.

Kreis Stormarn beschließt umfassendes Klimaanpassungskonzept

Der Kreis Stormarn hat im Jahr 2024 ein umfassendes Klimaanpassungskonzept verabschiedet, um die Region auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten. In diesem Konzept werden verschiedene Handlungsfelder betrachtet, darunter die Handlungsfelder biologische Vielfalt und Moore, Landwirtschaft, Wasserwirtschaft, Bauwesen, Industrie und Gewerbe, Tourismuswirtschaft, menschliche Gesundheit und Bevölkerungsschutz. Eine detaillierte Vulnerabilitätsanalyse dient dazu, die klimawandelbedingten Risiken und daraus zu erwartenden Folgen für jeden dieser Bereiche zu identifizieren. Das integrierte Klimaanpassungskonzept umfasst 33 Maßnahmen. Diese haben beratende, unterstützende und konzeptionelle Funktionen. Schwerpunkte sind naturbasierte Lösungen, Hitzeschutz, Starkregenvorsorge und Bevölkerungsschutz, um Klimarisiken zu minimieren und die Widerstandsfähigkeit des Kreises zu stärken.

Das Konzept wurde im Rahmen der Förderung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) erstellt. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Kreises Stormarn: www.kreis-stormarn.de/go/klimaanpassung.

Maßnahmen in der Überflutungsvorsorge in Lübeck

Die Hansestadt Lübeck hat im Rahmen ihrer Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel im November 2023 ein Audit zur Überflutungsvorsorge durchgeführt. Veranstaltet von der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA), nahmen 38 Vertreterinnen und Vertreter aus der gesamten Verwaltung und den Eigenbetrieben an diesem Audit teil. Der Schwerpunkt lag auf der nicht-baulichen Hochwasservorsorge, insbesondere in Bezug auf Starkregen, Fluss- und Küstenhochwasser.

Das Audit zeigte, dass Lübeck in vielen Bereichen bereits gut vorbereitet ist.

Seit dem Audit wurden zahlreiche weitere Maßnahmen umgesetzt. Dazu zählt die Bereitstellung von Zugriffsmöglichkeiten für die Eigenbetriebe auf das stadtinterne Geoportal, die Überarbeitung der städtischen Internetseiten zu den Themen Hochwasser und Starkregen sowie die digitale Veröffentlichung ergänzender Karten zu Hochwasserstufen bei Ostseehochwasser.

Auf der Website der Hansestadt Lübeck finden Sie auf den Informationsseiten Hochwasser - Rathaus und Starkregenportal - Stadtentwicklung weitere Hinweise und Anregungen zu diesem Thema.

Starkregenvorsorge: Oststeinbek gestaltet klimaangepasste Nachbarschaft

Die Gemeinde Oststeinbek rief als Reaktion auf das Starkregenereignis vom Mai 2018 das Projekt AKTIV – Klimaangepasste Nachbarschaft unter dem Motto „Aktiv bei Starkregen“ ins Leben, das von Januar 2021 bis Dezember 2023 durchgeführt wurde. Ziel des Projektes war es, die Anpassungskapazität kleiner und mittlerer Kommunen im Umgang mit den zunehmenden Risiken durch Starkregenereignisse zu stärken. Dabei wurden übertragbare Handlungsansätze sowie neue Kooperations- und Beteiligungsformate entwickelt und erprobt, die auch in anderen Kommunen Anwendung finden können.

Zur Verstetigung des gemeindlichen Engagements beschloss die Oststeinbeker Gemeindevertretung daraufhin die Bereitstellung von Haushaltsmitteln für ein kommunales Förderprogramm, welches die Bürgerinnen und Bürger seit Januar 2024 bei ihren Maßnahmen zur Starkregenvorsorge unterstützt.
 

Gefördert werden zum Beispiel

  • die Entsiegelung von Freiflächen,
  • die Begrünung von Dächern,
  • das Anpflanzen von standortgerechten Bäumen,
  • die Freilegung von verrohrten Gräben sowie
  • die Umwandlung von Schottergärten in Grünflächen.


Das Projekt wurde durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) im Rahmen des Programms „Förderung von Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels“ gefördert. Weitere Informationen finden Interessierte auf der Internetseite des Projektes: Das Projekt | aktiv-bei-starkregen und der Homepage der Gemeinde Oststeinbek: Starkregenvorsorge Projekt "AKTIV".

Mit einem ganzheitlichen Regenwasser-Abfluss-Konzept zum Hochwasserschutz in Selent

Nach erheblichen Schäden durch ein Hochwasserereignis im Jahr 2002 entwickelte die Gemeinde Selent ein umfassendes Konzept zur Regenwasserbewirtschaftung.

Das nachhaltige Regenwasser-Abfluss-Konzept beinhaltete Maßnahmen wie beispielsweise

  • eine zweite Einleitstelle des Regenwasserabflusses in den Selenter See,
  • die Schaffung und Vergrößerung von Retentionsflächen und Flutmulden sowie
  • den Bau größerer Regenwasserleitungen.

Über einen Zeitraum von sieben Jahren wurden rund 12 Millionen Euro investiert, um Selent heute wirksam vor Starkregenereignissen zu schützen.

Ansprechpersonen zu diesem Thema finden Sie auf der Homepage der Gemeinde Selent


Vorhaben zum Thema Solar mit zeitlichem Ablauf

Beachten Sie auch weitere Informationen zum Thema Solar auf unserer Seite www.solarkampagne.sh.


Umsetzungsbeispiele zu weiteren Themengebieten